Die „falschen Italiener“

und ihre

Popjazzlatinpolkafolkchansons

 

Es würde nicht verwundern, wenn der Begriff „Falsche Italiener“ irgendwann auch im Lexikon zu finden wäre: Seit 1997 sorgen Ombre di Luci für Furore in der deutschen Akustikmusik-Branche – fünf Deutsche, die gut und gern aus Siena stammen könnten. In Wahrheit ist das Quintett im niedersächsischen Osnabrück zu Hause - einer Stadt immerhin, der das Reisemagazin „Merian“ einen Marktplatz mit mediterranem Charakter bescheinigt. Genau dort, in einer kleinen Pizzeria, entstand bei Vino e Pasta die spontane Idee, Canzone italiane in völlig neuer Art zu präsentieren.

Marcus Tackenberg (Gesang, Klavier, Akkordeon), Ralf Quermann (Gitarre, Kontrabass, Mandoline), Ludwig Voges (Violoncello, Gitarre), Karl Snelting (Schlagzeug, Perkussion) und Markus Preckwinkel (Tuba, Posaune) hinterlassen mit ihren originellen Popjazzlatinpolkafolkchansons, ihrem Humor und ihren leidenschaftlichen Texten einen so nachhaltigen Eindruck, dass selbst echte Italiener beeindruckt sind. Zu den Freunden der Band zählen denn auch die sizilianischen Songwriter Pippo Pollina und Etta Scollo ebenso wie Palermos ehemaliger Bürgermeister und Anti-Mafia-Kämpfer Leoluca Orlando.

Es ist die pure Freude am Leben, die die Musiker antreibt. „Gioia di vivere“ heißt denn auch einer von über 50 Songs im stilistisch vielseitigen Repertoire der Combo. Da bleibt kein Auge trocken, kein Fuß steif, kein Lachmuskel unberührt, wenn Ombre di Luci (zu deutsch: Schattenlichter) auf humorvoll-ironische, aber auch ernsthaft-nachdenkliche Weise die Licht- und Schattenseiten des Lebens auslotet. Und zwar ausschließlich mit eigenen Kompositionen und Arrangements. Die Texte stammen aus den Federn der Italiener Sergio Grani und Giovanni Armanni, der im Sommer 2005 die Nachfolge Granis angetreten hat: Die nötige Authentizität ist somit gegeben. 

Und zum Varusschlacht-Jubiläum 2009 haben Ombre di Luci sich mal wieder etwas ganz besonderes einfallen lassen: Sie haben ein Stück mit lateinischem Text komponiert,  „Miles cum persona“ (Der Soldat mit der Maske). Der Song thematisiert die Geschichte des Legionärs, dessen Maske Archäologen nach 2000 Jahren finden, aus einem neuen Blickwinkel: Im Augenblick des unausweichlichen Todes sinniert der Römer über Sinn und Unsinn von Krieg und Gewalt - und ahnt bereits, dass seine Maske eines Tages ein Symbol für den Frieden werden wird. Es ist das Titelstück der neuen, sechsten, CD „Reliquiae“, die es seit dem 24. April 2009 zu kaufen gibt. Reliquiae heißt Überbleibsel. Unter diesem Aspekt ist nicht nur die Maske zu verstehen, sondern auch die übrigen sieben Songs. Denn die stammen von den ersten beiden, mittlerweile völlig vergriffenen Alben „Origine“ (1999) und „Vento del sud“ (2000), die nicht mehr neu aufgelegt werden können. Drei weitere Alben haben die „falschen Italiener“ bereits in Eigenregie produziert:  „Ma dove vai“ (2002), die Live-CD „In concerto“ (2004) und das fünfte Alum „La vita d´artista“, das im Juni 2008 erschienen ist .

So, wie auf den Studioalben eine Reihe von exzellenten Gastmusikern zum unverwechselbaren Sound beitragen, laden Ombre di Luci auch in ihren Konzerten gern Musiker aus anderen Kulturen ein. Künstler aus Brasilien, Russland, Irland, Georgien, Italien, aus der Türkei und der Ukraine bereicherten schon den musikalischen Mikrokosmos des Quintetts, das nicht stagnieren will, sondern ständig den eigenen Horizont erweitert.

Das gilt auch für das außermusikalische Engagement: Ombre di Luci sind häufig auf Benefiz-Konzerten zu finden. Ob für Tsunami-Opfer und krebserkrankte Kinder, für den Frieden und gegen Rassismus – die „falschen Italiener“ zeigen Flagge. Übrigens auch in vielen Songs, die bei naher Betrachtung immer wieder höchst aktuelle Themen wie etwa den 11. September 2001 aufgreifen. Schon die allererste Komposition „Ave Maria“ ist die Vertonung eines Gebets, das ein sterbender Soldat auf dem Schlachtfeld murmelt. Das während des Bosnien-Krieges entstandene Lied brachten die Osnabrücker am ersten Adventssonntag 2005 in der wieder aufgebauten Dresdner Frauenkirche zur Aufführung – vier Wochen nach der Weihe des Gotteshauses.

Ungewöhnliche Auftritte hat die Band schon mehrfach erlebt: Zum Beispiel in einem russischen Pionierferienlager an der Wolga, im antiken Amphitheater von Troja, im Clubhaus der „Contrada della Selva“ in der Altstadt von Siena, auf einem Volksfest im polnischen Masuren oder im Pavillon der katholischen Kirche auf der Expo 2000 in Hannover. Auch die mitunter schwerfällige Politik bringen die „falschen Italiener mit Leichtigkeit und Laisser-faire in Schwung: Im Schlossgarten Bellevue des Bundes-präsidenten Horst Köhler (2007) ebenso wie bei den Herbstgesprächen der Neuen OZ  im Haus der Berliner Bundespressekonferenz (2006, 2007, 2008 und 2009). Daneben gab die Gruppe aber auch über 350 „normale“ Konzerte auf Festivals, in Hallen, Sälen, Clubs und Restaurants in ganz Deutschland. Und dort, wo sie schon gespielt haben, sind Ombre di Luci immer wieder gern gesehene Gäste.

 

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